
Streuner
Bevor wir die ersten eigenen Schritte im Tierschutz wagten hatten wir eine recht naive Vorstellung von dem, was und wie wir unsere Ideen umsetzen möchten... Wir hatten die Vorstellung, dass wir die Hunde einfangen, kastrieren und in ihrem gewohnten Umfeld wieder aussetzen. Schnell mussten wir lernen, dass diese Vorstellung nicht umzusetzen ist.
Frei laufende Hunde und Katzen haben keinen ausreichenden Lebensraum mehr...
Frei laufende Hunde und Katzen haben keine Möglichkeiten mehr, sich aus eigener Kraft und Anstrengung durchs Leben zu schlagen. Die Gründe hierfür sind sehr vielfältig. In erster Linie gibt es keine ausreichenden Möglichkeiten Nahrung und Wasser zu finden. Die zunehmende Bebauung und Kultivierung von Freiflächen engen den Lebensraum ein. Die Tiere werden mehr und mehr gezwungen die Nahrung in der Nähe von Dörfern und Städten zu suchen. Aber hier lauern weitere Gefahren wie die extreme Zunahme des Straßenverkehrs in den letzten Jahrzehnten. Früher noch ungenutzte Flächen werden heute an Jäger verpachtet. Und die sehen in den Streunern nichts weiter als Konkurrenten um die Beute. Strand-Regionen sollen sauber bleiben, damit die Touristen nicht mit dem Elend der Tiere konfrontiert werden. Das wirft ein schlechtes Licht auf das Urlaubsparadies, also sind sie auch hier nicht willkommen. Es gibt einfach keinen Raum mehr, in dem sich ein Streuner unbeschadet aufhalten kann. Aus den früheren Jägern sind gejagte geworden, für die es keinen Platz mehr in unserer Welt gibt.
Alleine das macht es nahezu unmöglich einen Hund nach der Kastration wieder an den Platz zurück zu bringen, wo er zuvor gelebt hat. Hinzu kommt noch, dass die Hunde sich sehr schnell an das neue Glück gewöhnen und die Versorgung durch den Menschen mehr als dankbar annehmen. Einmal auf einer Pflegestelle angekommen, finden sie schnell Gefallen an einem trockenen, warmen und gemütlichen Plätzchen, an dem sie endlich mal tief und fest schlafen können, ohne ständig auf der Hut nach lauernden Gefahren zu sein. Auch den Kontakt zum Menschen, die Streicheleinheiten und das regelmäßige Futter, ausreichend Wasser.... all das erleben sie zum ersten Mal und sie genießen es in vollen Zügen. Der Gedanke diese Hunde anschließend wieder auszusetzen ist unter den beschriebenen Umständen unerträglich.
Immer wieder erreichen uns Notrufe der Einheimischen und auch von Touristen, in denen Streuner gemeldet werden, die sich offensichtlich in Not oder in schlechtem körperlichen Zustand befinden. Diese Notrufe machen den größten Teil der Arbeit unserer Helfer vor Ort aus. Und hier heißt es in aller Regel, dass schnelles Handeln wichtig ist.
Die Helfer wissen nicht, was sie erwartet. Ob der Hund, um den es geht, zugänglich ist, ob er Angst vor Menschen hat oder ob er überhaupt noch an der Stelle ist, an der er gesehen wurde. Manchmal beginnt mit diesen Notrufen eine tagelange oder auch wochenlange Prozedur. Die scheuen Hunde müssen an einer Stelle angefüttert werden, um nach und nach Vertrauen zu fassen. Andere steigen nicht freiwillig ins Auto ein, so dass wir mehrere Helfer vor Ort brauchen, u.s.w., u.s.w....
Besonders schwierig wird es, wenn wir eine Hündin gemeldet bekommen, die Welpen geboren hat. Das sie irgendwo ihre Welpen hat sehen wir unweigerlich daran, dass sie ein volles Gesäuge hat. Aber besonders die Staßenhunde verstecken ihren Nachwuchs teilweise sehr gut! Oftmals sind es recht abenteuerliche Orte, an denen sie sich Schutz für den Nachwuchs erhoffen. Hier brauchen die Helfer dann einen guten Spürsinn und viel, viel Geduld, bis das Versteck ausfindig gemacht werden kann, in dem sich die Welpen befinden.
Eine Hündin mit Welpen hat als Streunerin kaum Chancen ihren Nachwuchs aus eigener Kraft ihrem Nachwuchs das Überleben zu sichern. Zumindest ein Großteil des Wurfs wird es nicht schaffen. Abgesehen vom Hunger und Durst lauern viele weitere Gefahren.
In jedem Fall versuchen wir alles, um Mutter und Welpen in Sicherheit zu bringen und auf einer Pflegestelle vor Ort aufzunehmen. Die Hündinnen können so kurz nach der Geburt der Welpen nicht kastriert werden, weil die Kleinen noch säugen. Aber schon wenige Wochen nach der Geburt kann sie wieder Läufig werden - so dass wir sie auf alle Fälle von der Straße holen müssen. Die Hündinnen gewöhnen sich dann auf der Pflegestelle sehr schnell ein. Sie genießen die Geborgenheit, die Streicheleinheiten und sie genießen zum ersten Mal im Leben "verwöhnt" zu werden. Sie müssen sich keine Sorgen mehr machen, wo sie Futter und Wasser finden... Deshalb versuchen wir in aller Regel für die Welpen, aber auch für die Hündin, ein gutes neues Zuhause zu finden. Sie bleiben zusammen, bis die Welpen ca. 10-12 Wochen alt sind, und dann sollte jeder in sein eigenes Zuhause ziehen.
Unser Einsatz hat sich unter den Einheimischen besonders in den Regionen um Budoni, San Teodoro, Olbia und weitere Umgebung herum gesprochen. So bestimmen die Notrufe von Touristen und Einheimischen schon heute maßgeblich den Ablauf und die Zeit unserer Helfer vor Ort. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht mindestens einer dieser Hinweise bei uns ankommt und wir versuchen überall dort zu helfen, wo es uns zeitlich und vor allem auch logistisch möglich ist. Aber wir müssen realistisch bleiben - Sardinien ist die zweitgrößte Insel im Mittelmeer. Die Notrufe kommen nicht selten aus Regionen, die mehrere Autostunden von unserem nächsten Helfer entfernt sind. Hier sind dann auch wir in aller Regel machtlos und können nur an die Behörden oder auch manchmal an andere Tierschutzvereine verweisen. Nicht selten kommt es aber auch vor, das zum Beispiel die Touristen sich dann auf den Weg machen und die halbe Insel überqueren, um die Tiere in unsere Obhut zu bringen.
In nahezu allen Fällen handelt es sich um wirkliche Notrufe bei denen wir wissen, dass die Hunde ohne die Hilfe der Menschen hier kaum Überlebenschancen haben. Aus diesem Grunde haben die Helfer vor Ort schon mehrmals das Unmögliche möglich gemacht. Dieser Einsatz ist extrem wichtig und zudem sehr zeit- und kostenintensiv. Aber er rettet Leben!
Möglich ist dies alles nur, weil es immer wieder Menschen gibt, die ihr Herz am rechten Fleck haben und uns dabei helfen die Kosten zu tragen. Dafür möchten wir an dieser Stelle herzlich danken!
Wenn auch Sie uns Ihr Vertrauen in unsere Arbeit schenken und diesen Einsatz unterstützen möchten, dann bitten wir Sie um eine SOS Patenschaft. Mit einem monatlichen Beitrag, den Sie frei wählen können, unterstützen Sie diese lebensrettenden Maßnahmen. Besonders in den Fällen, in denen wir eine Hündin mit Welpen retten können, verhindern Sie unbeschreibliche viel neues Leid, das durch die weiteren Würfe der Hündin entstehen kann, wenn keine Kastration erfolgt. Bitte schauen Sie auf unserer sehr eindrucksvolle Populatios-Tabelle und sehen Sie selbst, wie viel Nachwuchs eine einzige Hündin in ihrem Leben zur Welt bringen kann!
Hier ein kurzer Überblick zu den Kosten, die im Falle eines Notrufes entstehen können:
- die Notrufe von Touristen erfolgen in aller Regel über ein deutsches Mobilfunknetz. Zur Abstimmung der Fakten sind oftmals mehrere Telefonate notwendig, die in diesen Fällen zu hohen Roaming Gebühren berechnet werden.
- in allen Fällen entstehen Transportkosten für die Fahrten zum Fundort, zum Tierarzt und zur Pflegestelle, auf der die Hunde aufgenommen werden sollen. Manchmal ist es so, dass die Hunde zunächst über einige Tage an einem festen Platz angefüttert werden müssen, bevor sie genug Vertrauen haben, sich unseren Helfern zu nähern. In diesen Fällen kommen teilweise sehr hohe Spritkosten auf uns zu. Entfernungen von mehr 100 Kilometern pro Strecke sind hier keine Seltenheit.
- alle Fundhunde müssen in der Regel erst einmal tierärztlich untersucht werden. Der Zustand - vor allem der Welpen - ist oftmals sehr schlecht. Schnell sind für einen Wurf Welpen mit Mutter mehrere hundert Euro aufgelaufen bis alle Hunde zumindest einmal angeschaut, geimpft und auf Parasiten überprüft sind. Oft sind Blutabnahmen notwendig und natürlich immer die entsprechenden Medikamente.
- später folgen dann die Kosten für die Kastration der Mutter, für den Chip und weitere Impfungen, die zur Ausreise notwendig sind.
- oftmals sind die Welpen unterernährt, weil die Mutter aufgrund der eigenen Mangelversorgung zu wenig oder keine gehaltvolle Milch anbieten kann. In diesen Fällen müssen die Welpen mit hochwertiger und teurer Welpenkost zusätzlich gepäppelt werden.
- zuletzt braucht jeder Hund einen Heimtierausweis und die nötigen Impfpässe und Zertifikate zur Ausreise nach Deutschland.
Allerdings setzt diese Aufstellung voraus, dass alle Hunde gesund sind. Aber in der Realität ist es leider so, dass in den seltenstens Fällen die Mutter und wirklich alle Welpen gesund sind. In aller Regel fallen also noch weitaus mehr Kosten an, als man hier aufführen kann.
Diese Kosten sind in aller Regel alleine durch Schutzgebühren nicht aufzufangen, weshalb wir immer wieder um Ihre Unterstützung bitten müssen!
Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben, so sprechen Sie uns gerne jederzeit an!
Dora hatte Glück... Dora war eine Strassenhündin - wie zahllose andere Hunde auf Sardinien. Sie ist ein "Segugio", eine Rasse, die auf Sardinien sehr gerne zur Jagd eingesetzt wird und in Massen gezüchtet werden. Einen Teil der gezüchteten Welpen behalten die Jäger, ein Teil wird entsorgt. Wir nehmen an, dass auch Dora aus einem der viel zu engen Zwinger stammt und vielleicht zur Jagd nicht taugte. Oder vielleicht ist ihr auch die Flucht aus ihrem eigentlichen Zuhause gelungen. Wir wissen es nicht, aber wir sind sicher - könnte sie es uns erzählen - dass es eine traurige Geschichte ist, die die Hündin zwang sich alleine auf der Straße durch zu schlagen.

So lebte Dora einige Monate in einem kleinen Dorf, oberhalb von Budoni. Die Einheimischen haben die freundliche Hündin geduldet und sogar ab und an mit Küchenabfällen versorgt. Als aber auffiel, dass Doras Bauch immer dicker wurde, wollte sie niemand mehr dulden. Es war klar, dass die kleine Hündin Nachwuchs erwartete.... Die Menschen aus dem Dorf informierten unsere Helfer und gaben und ein kleines Zeitfenster, in dem Dora von der Straße verschwinden sollte.
Wir kümmerten uns um eine vorübergehende Bleibe für Dora. Ein Bauer, der etwas außerhalb der Ortschaft lebt erlaubte es uns, ihr einen Platz auf dem Grundstück einzurichten, an dem Dora ihre Welpen ohne Gefahr zur Welt bringen darf. Aber auch dies war nur vorübergehend... Unsere Helfer zimmerten also eine kleine wind- und wettergeschützte Ecke für Dora zusammen. Dora nahm die Einladung gerne an und schon zwei Tage später brachte sie ihre 5 Babys zur Welt.

Einige Tage später durften Dora und die Babys dann auf eine Pflegestelle in der Nähe des Dorfes umziehen. Bei Linda fanden sie einen wirklich guten Unterschlupf, warme Decken und beste Versorgung! Dora nahm jede Unterstützung sehr dankbar an und machte sich mit ihrer liebenswürdigen und sanften Art schnell Freunde bei allen Zwei- und Vierbeinern!
Am 30. Dezember, einen Tag vor Silvester, stand dann die Ausreise für die kleine Familie nach Deutschland an. Vor Ort hätten weder die Welpen noch Doro eine Chance auf Vermittlung gehabt. Die Welpen von Dora sind nun alt genug, um an liebe Familien vermittelt zu werden. Auf Sardinien hätten sie kein Recht auf ein Leben bekommen!

In Deutschland werden diese bildhübschen Mäuse mit Sicherheit schnell ein gutes Zuhause finden. Und was uns sehr freut - Dora hat es bereits geschafft!! Nur eine Woche nach Ankunft hat Dora eine richtig gute Familie gefunden und kann somit ihr Vagabunden-Leben beendet. Sie ist nun Teil einer Familie und wird sich nie wieder Sorgen machen müssen, woher das Futter für den nächsten Tag kommt.
Gut gemacht Mädchen! Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Gute!!
Mittlerweile haben natürlich alle Welpen ein gutes Zuhause in Deutschland gefunden! Es soll nur ein Beispiel von vielen sein, die den Alltag der Helfer vor Ort, auf Sardinien, zeigen.