Kettenhunde
Der Stellenwert eines Hundes ist auf Sardinien anders als der, den wir selbst unseren Vierbeinern zukommen lassen. In der Regel soll ein Hund auf Sardinien einen Zweck erfüllen. Er wird als Wach-, Jagd- oder Gebrauchshund eingesetzt und hat in seiner Aufgabe zu funktionieren. Eigene Bedürfnisse werden ihm hierbei nicht zugesprochen.
Die Hunde, die zur Jagd nicht taugen, fristen ihr Leben sehr oft als Wachhund. Nicht selten liegen sie, zum Teil auf völlig verlassenen Grundstücken, an einer kurzen Kette. Ausreichend Wasser und Futter sind ebenso selten wie ein Sonnenschutz oder ein Unterschlupf bei Kälte und Nässe. Im Sommer sind sie der glühenden Hitze ausgesetzt und im Winter stehen sie oft bis zu den Knien im Matsch. Keiner nimmt hiervon Notiz oder gar Anstoß und die Gesetze erlauben diese Art der Haltung.
Es ist erlaubt Hunde an einer Kette zu halten, wenn sie eine Länge ab 60 cm aufweist! Von dieser Regel sind auch Welpen nicht ausgenommen.
Wann immer unsere Helfer einen Kettenhund sehen, der unter solch schlechten Bedingungen gehalten wird, suchen wir den Kontakt zum Besitzer. Es ist uns wichtig hier nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf die Menschen zuzugehen - das hätte keinen Erfolg.
Stattdessen versuchen wir den Besitzer für die Bedürfnisse seines Hunde zu sensibilisieren ohne seinen Stolz zu verletzen. Denn Verbesserungen vor Ort sind nur in der Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung und mit deren Akzeptanz zu schaffen.
Wir bieten an, ein Gehege zu bauen, in dem der Hund wenigstens ein Minimum an Auslauf hat und einen trockenen und schattigen Platz zum Schlafen. Manchmal stoßen wir auf offene Ohren und der Besitzer ist überrascht und sogar stolz, dass sich jemand für seinen Hund interessiert. In anderen Fällen stehen wir vor verschlossenen Türen.
Es ist ein hartes Stück Arbeit, bei der man die eigenen Emotionen immer wieder hinten anstellen muss, um nicht in einen Streit mit den Menschen zu geraten, die die Würde unserer Freunde mit Füßen treten und mit einem Handstreich über das Leben eines Hundes hinweg gehen.
Oben auf dem Foto sehen Poldo. Einer von tausenden Kettenhunden auf Sardinien. Poldo gehörte einer Sardin, die den hübschen Rüden bereits als Welpe aufgenommen hatte. Er lebte ein gutes Leben, mit Anschluss an die Familie, auf einem Grundstück von mehreren Hektar. Aber nur solange, bis die Nachbarn Anstoß an Poldo nahmen, weil er die Hühner und Schafe jagen könnte.
So war die Besitzerin gezwungen, den bewegungsfreudigen Hund an eine Kette zu legen. Im Gegensatz zu den meisten Kettenhunden hatte Poldo einen Schattenplatz, unter einem Baum, und zudem täglich ausreichend Futter und Wasser. Dennoch war dieses Dasein für ihn eine Qual.
Deshalb bat uns die Besitzerin für Poldo ein neues Zuhause zu suchen. Poldo durfte im August 2008 nach Deutschland einreisen und konnte schon eine Woche nach Ankunft zu einer lieben Familie in sein endgültiges Zuhause umziehen.