
Findus
Unglücklicher, kleiner Findus
Am 3. Juli 2011 kam unser kleiner Findus (vermittelt im Oktober 2010) in Folge eines schicksalhaften Verkehrsunfalls ums Leben. Wir trauern um den lieben Kerl, der bei seiner Familie so glücklich war.
Hier ist Abschiedsbrief seiner Familie:
Lieber Findus,
Anfang Oktober 2010 wurde unser Hunde-Wunsch endlich erfüllt und wir durften dich zu uns nach Hause in Aachen nehmen. Weißt du, du warst einfach nur Klasse: Als du deine erste Zufluchtstätte unter dem kleinen Wohnzimmertisch, den wir mit einer Decke für dich noch schön abgedunkelt hatten, zu ersten vorsichtigen Schnupper-Erkundigungen verlassen hast... als wir nach drei Tagen dich im Körbchen mit auf eine große Wiese nahmen und du gleich gesprungen, Purzelbäume geschlagen und mit uns Fangen und Verstecken gespielt hast. Da war uns klar. Wir hatten einen ganz lebendigen, verspielten und bewegungsfreudigen Hund gewonnen, der eines am meisten liebte: Draussen in der Natur zu sein, und das möglichst lange.
Du hast jedes Wetter geliebt. Den ganzen Winter über haben wir mit dir zusammen das Wurmtal erkundigt. Bei Kälte, Schnee und Regen. Da hat es dir auch nichts ausgemacht, hin und wieder unter die Dusche zu müssen. Du hast ja nach unseren Spaziergängen oft ausgesehen „wie Sau“. Trocken rubbeln und ausgiebig Bauchkraulen war dann angesagt und wir haben noch gut in Erinnerung, wie bereitwillig du uns dein Bäuchlein hingehalten hast. Als Dankeschön wurden wir dann auch gehörig abgeschleckt und auch hin und wieder sanft in die Nase gezwickt.
Mit unserer Katze Josefine bist du immer besser zurecht gekommen. Einträchtig nebeneinander sitzend habt ihr aufs Fressen gewartet und ihr seid meist gegen Abend auch durch die Wohnung getobt, einer hinter dem anderen her, schön abwechselnd und nie bösartig!
Es war ja klar, dass du nie ein richtiger Stadthund wirst – das wollten wir ja auch nicht. Kurz gesagt, Geschirr und Leine waren nicht so dein Ding, aber wenn du dann endlich „eingeschirrt“ warst, wars ja auch Okay. Strassenlärm hast du manchmal schon gut ignorieren können, war was größer als ein Bully, wars dir unheimlich und es war gut, dass du an der Leine warst.

An den ersten heissen Tagen im Frühjahr waren wir gespannt darauf, ob du auch gerne Schwimmen gehst. „Gerne“ ist gar kein Ausdruck für die Show die du dabei abgezogen hast! Wolltest ja gar nicht mehr raus, angesagt war Bällchen und Stöckchen holen ohne Ende.
In den letzten Wochen haben wir dann am Feintuning gearbeitet. Bällchen werfen, fangen, Kopfball, Fussball und immer wieder schön zurück vor die Füsse legen. Zwischendurch mal längs durch den Bach rasen, dass es eine Freude war! Manchmal ist ein Bällchen im tiefdunklen Kaninchenbau verschwunden, und wir standen dann ganz bedröppelt da. Aber ein böser Jäger warst du nicht, ein Nachrenner halt, der sich sofort abrufen ließ, wenn uns die Entfernung zu weit schien. Dann hast du im hohen Gras eben das „Erdmännchen“ gespielt.
Unsere ersten gemeinsamen Osterferien haben wir in der Provence verbracht. Klar, wir haben Flusswandern gemacht und waren viel in der Garrigue wandern. Das war dein Ding: Niedriggehölze erkunden, unter unzähligen Steineichen dahin gehen, wo kein Mensch hinkommt, das Näschen voraus, dein wunderbarer weißer Schweif wedelnd hintendrein. Abends dann allerlei Kleinstteilchen von Pflanzen und Tierchen aus dem Fell entfernen und fertig machen zur Schmuserunde.
Am Freitagabend, 3. Juni, haben wir uns auf den Weg zu Freunden an die Lahn aufgemacht, anderntags wollten wir mit dir eine Limes-Wanderung machen. Unsere Reise wurde jäh auf der A4 in Höhe Eschweiler unterbrochen, als uns gegen 18 Uhr ein schwarzer Mercedes bei einem Überholvorgang mit 180 Sachen hintendrauf fuhr. Wir überschlugen uns mehrmals und krachten gegen die linke, dann die rechte Leitplanke und blieben dann wieder links in Gegenrichtung, aber „auf den Rädern“ stehen.
Als das schier endlose Gedrehe endlich aufhörte, und wir merkten, dass wir den Unfall relativ unbeschadet überstanden hatten, wollte Günther sich sofort aufmachen, dich zu suchen. Du warst in Panik aus dem zerbrochenen Fenster gesprungen und in Windeseile die Autobahnböschung hinaufgerast. Und zwar völlig unverletzt, wie auch mehrere Zeugen sagten. Als Unfallbeteiligter wurde Günther darauf gedrängt dazubleiben, bis Polizei und Krankenwagen eintreffen würden. Alles andere sei Unfallflucht. Um den Hund würde sich die Feuerwehr kümmern, hieß es.
Wir wurden dann fast schon zwangsweise in die Krankenwagen geschoben. Nun, Gisela hatte die Nase gebrochen, Günther hatte nur paar kleine Prellungen, aber gegen die ärztlichen Untersuchungen wollten wir uns halt auch nicht wehren. So verging Stund um Stund und als wir uns endlich auf die Suche nach dir machen konnten, war es schon fast 22 Uhr. Wir hofften sehr, dass du dir in der Nähe ein sicheres Versteck gesucht hattest. Wir hatten noch Freunde bei der Suche dabei und auch einige nette Anwohner halfen. Ein junger Mann hatte dich noch vor 10 Minuten gesehen, wie du Richtung Dorf gelaufen bist. An einigen Türen haben wir geklingelt, Passanten angesprochen, ein Bauer kam mit dem Traktor spät von der Arbeit und half gleich mit seiner Lampe bei der Suche mit. Wir alle sind absichtlich nie in die Nähe der Autobahn gegangen, wir wollten nicht, dass du dort hinläufst. Dann plötzlich ein Ruf: „Hier, eben ist er vorbei gelaufen Richtung Unfallstelle“. Günther rannte sofort mit dem Bauern los, über die Böschung rüber – und dann sahen wir dich, auf der Straße liegend, regungslos. Günther hat noch zwei Autos abgewartet und dich dann in die Arme genommen... er hofft inständig, dass du gespürt hast, dass er wenigstens in den letzten Sekunden noch bei dir war.
Wir haben dich anderntags frühmorgens in deinem von dir so geliebten Garten beigesetzt. Klar, auch die Gärten rechts und links gehörten dir, aber krumm genommen hat uns das keiner. Wir haben dir noch den Quitschbären, ein Bällchen und Katzenfutter (mit Josefines Zustimmung) mitgegeben.
Du hast in deinem kurzen Leben viele Freunde gewonnen, Menschen wie Hundchen.
Machs gut lieber Findus, auf deiner Reise in eine uns unbekannte Welt.
